Gesundheit

Wie kann man Tumore im Dickdarm oder Enddarm früh erkennen oder sogar verhindern?

Welche Möglichkeiten gibt es zur Früherkennung von Darmkrebs? Die wichtigste Untersuchung ist die Darmspiegelung, auch Koloskopie genannt. Aber auch ein Stuhltest auf nicht sichtbares Blut gehört zum gesetzlichen Früherkennungsprogramm in Deutschland. Wer hat Anspruch auf diese Untersuchungen? Wie zuverlässig sind sie? Gibt es Alternativen zur Darmspiegelung? Hintergründe bietet der folgende Text. Die persönliche Entscheidung für oder gegen die “Darmkrebsvorsorge” lässt sich besser treffen, wenn man über die Vor- und Nachteile der Untersuchungen Bescheid weiß. Wie hoch das persönliche Risiko ist, an Darmkrebs zu erkranken, spielt ebenso eine Rolle. Daher lässt sich das Gespräch mit einem Arzt oder einer Ärztin durch Auskünfte aus dem Internet nicht ersetzen.

Ab dem Alter von 50 Jahren hat in Deutschland jeder Versicherte Anspruch auf regelmäßige Untersuchungen zur Früherkennung von Darmkrebs. Sie sind Teil des gesetzlichen Früherkennungsprogramms. Die Kosten werden daher von den gesetzlichen wie auch von den privaten Krankenkassen übernommen. Solche Früherkennungsuntersuchungen für große Gruppen Gesunder bezeichnet man auch als “Screening”. Experten schätzen die Früherkennung als sinnvoll ein: Wenn Darmkrebs in einem frühen Stadium erkannt wird, sind die Heilungsaussichten gut. Und: Bei einer Darmspiegelung können sogar Krebsvorstufen entfernt werden, bevor sie sich zu einem Tumor entwickeln. Diese Untersuchung kann deshalb eine echte “Krebsvorsorge” sein und vor Krebs schützen. Der Nutzen und auch die Risiken der verfügbaren Untersuchungen werden fortlaufend in Studien untersucht. Wissenschaftler prüfen aber auch, ob neuere Untersuchungsverfahren zur Früherkennung von Darmkrebs geeignet sind.

Ab dem Alter von 50 Jahren können Männer und Frauen jährlich ihren Stuhl untersuchen lassen: Mit einem sogenannten immunologischen Stuhltest werden auch kleinste Blutmengen nachgewiesen, die mit dem bloßen Auge nicht sichtbar sind. Ab 55 kann man derzeit eine Darmspiegelung machen lassen: Der Darm wird dabei mit einem Endoskop von innen angeschaut. Man nennt die Untersuchung auch Koloskopie. Ist das Ergebnis unauffällig, reicht es, wenn man die Untersuchung nach frühestens zehn Jahren noch einmal in Anspruch nimmt. Hier sind allerdings Änderungen geplant: Studien haben gezeigt, dass es sinnvoll ist, wenn Männer schon im Alter von 50 Jahren eine Darmspiegelung machen – ihr Risiko ist in diesem Alter bereits etwas höher als das von Frauen. Wer die Koloskopie nach Abwägung aller Vor- und Nachteile ablehnt, kann ab 55 alle zwei Jahre einen Stuhltest machen. Beim Abtasten des Enddarms können Ärzte unter Umständen Veränderungen im letzten Darmabschnitt bemerken. Diese Untersuchung ist nicht mehr Teil des gesetzlichen Programms zur Früherkennung von Darmkrebs – Tumoren können auch in Darmabschnitten entstehen, die sich nicht mehr ertasten lassen. Je nach Situation führen Ärzte die Untersuchung aber weiter durch, zum Beispiel bei der Untersuchung der Prostata bei Männern oder bei Frauen im Rahmen der gynäkologischen Untersuchung. Beschwerden? Vorerkrankungen? Krebs in der Familie? Diese Regelungen zur Krebsfrüherkennung gelten für gesunde Menschen. Was tun, wenn man Beschwerden hat? Welche Empfehlungen gibt es für Menschen, in deren Familie bereits Darmkrebs oder Darmkrebsvorstufen aufgetreten sind? Was gilt für Menschen mit besonderen Risikofaktoren, etwa einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung? Wer Beschwerden hat oder auffällige Veränderungen bemerkt, sollte nicht bis zum nächsten “Vorsorge”-Termin warten, sondern gleich zum Arzt gehen. Welche Warnzeichen sollte man ernst nehmen? Dazu gehören Blut im Stuhl, andauernde Veränderungen der Stuhlgewohnheiten oder wiederholte stärkere Bauchschmerzen. Diese Symptome können auch auf andere Darmerkrankungen hinweisen. Sie sollten dennoch vom Arzt untersucht werden. Betroffene, bei denen es möglicherweise besondere Risiken für Darmkrebs gibt, sollten mit ihren Ärzten besprechen, ob sie früher mit regelmäßigen Früherkennungsuntersuchungen beginnen und nicht erst mit 50 Jahren. Mehr dazu lesen Interessierte auch im Text “Darmkrebs: Risikofaktoren und Vorbeugung”. Wohin gehen zur Beratung und Früherkennung? Erste Ansprechpartner sind der Hausarzt oder die Hausärztin, bei Frauen auch der behandelnde Gynäkologe oder die Gynäkologin. Diese Ärzte informieren auch zu Nutzen und Risiken der Früherkennung. Wenn man sich dafür entscheidet, geben sie ein Stuhlproben-Entnahmeset für den Test auf verstecktes Blut mit nach Hause. Zur Darmspiegelung müssen Haus- oder Frauenarzt dagegen überweisen: Die Koloskopie darf nur von Medizinern durchgeführt werden, die eine besondere Weiterbildung und Qualifikation für diese Untersuchung nachgewiesen haben. Auch die Ausstattung und die Abläufe in der Praxis müssen entsprechend geregelt und zertifiziert sein.

Viele Krankenkassen bieten ihren Versicherten auf Wunsch einen kostenlosen Erinnerungsservice an, der auf den jeweils nächsten Früherkennungstermin aufmerksam macht. Geplant ist auch hier eine Umstellung: In Zukunft sollen alle Menschen, die Anspruch auf die Früherkennung haben, angeschrieben werden. Ein ähnliches Verfahren gibt es schon bei der Brustkrebsfrüherkennung: Frauen werden ab dem Alter von 50 Jahren regelmäßig angeschrieben und zur Mammographie eingeladen, unter Beachtung aller datenschutzrechtlichen Bestimmungen. Recht auf Nichtwissen? Die Darmkrebsfrüherkennung ist keine Pflicht: Niemand muss teilnehmen. Wer sich gegen eine Früherkennungsuntersuchung entscheidet, verliert deshalb nicht seinen Versicherungsschutz.

Auch wenn man später an Darmkrebs erkrankt, wird man bei der Behandlung im Krankenhaus oder der Arztpraxis nicht benachteiligt. Über die Vor- und Nachteile der “Krebsvorsorge” Bescheid zu wissen hilft aber bei der Entscheidung, ob man teilnimmt oder nicht – Fachleute haben dafür den Begriff “informierte Entscheidung” geprägt. Darmkrebs trotz Früherkennung? Auch wenn die Früherkennungsuntersuchungen heute eine hohe Qualität haben – hundertprozentige Sicherheit bieten sie nicht. Rein statistisch lässt es sich nie ganz ausschließen, dass auch Menschen an Darmkrebs erkranken, die regelmäßig zur “Vorsorge” gegangen sind und sehr gesund gelebt haben. Haben Sie Fragen zur Früherkennung von Darmkrebs? Wir sind für Sie da.

Der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums steht Ihnen täglich unter der kostenlosen Telefonnummer 0800 – 420 30 40, von 8.00 bis 20.00 Uhr, oder per E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.de zur Verfügung (Kontaktformular). Ausführliche Informationen zu den Untersuchungen, die von der Krankenkasse bezahlt werden und zum Stellenwert von weiteren Verfahren, die Sie als IGeL selbst zahlen müssen, bieten Ihnen die folgenden Abschnitte. Sie finden dort außerdem Linktipps und Quellen zum Weiterlesen. Schnelltest auf Blut im Stuhl: Ab 50 Jahren Zum gesetzlichen Krebsfrüherkennungsprogramm in Deutschland gehört ein Test auf nicht sichtbares Blut im Stuhl. Wer möchte, kann diese Untersuchung im Alter von 50 bis 54 jährlich durchführen lassen. Die gesetzlichen wie die privaten Krankenkassen übernehmen die Kosten. Ab 55 bezahlen die Krankenkassen den Test alle zwei Jahre, wenn man sich gegen eine Darmspiegelung entscheidet. Ansprechpartner sind normalerweise Hausärzte, bei Frauen auch Gynäkologen, bei Männern Urologen. Worauf beruhen diese Tests? Tumore im Darm bluten häufig. Auch Darmpolypen – die Krebsvorstufen sein können – bluten manchmal. Das Blut wird dann oft mit dem Stuhl ausgeschieden. Meist ist die Menge aber so gering, dass man es mit bloßem Auge nicht erkennt. Dieses nicht sichtbare (“okkulte”) Blut im Stuhl kann man mit sogenannten Stuhltests nachweisen. Bis März 2017 waren Tests in Gebrauch, die das Blut mit einer biochemischen Methode nachweisen. Man bezeichnet sie als Guajak-Test oder “guajakbasierten fäkalen Okkultbluttest”, abgekürzt gFOBT. Seit dem 1. April 2017 können Versicherte neuere Stuhltestverfahren in Anspruch nehmen: Die sogenannten immunologischen Stuhltests weisen Blut im Stuhl mithilfe von Antikörpern nach. Diese binden spezifisch an den Blutfarbstoff Hämoglobin. Ein Vorteil dieser Tests: Sie weisen tatsächlich nur menschliches Blut nach und sind deshalb weniger störanfällig – zum Beispiel durch rohes oder nicht durchgebratenes rotes Fleisch, das man vorher gegessen hat. Diese neuen Verfahren bezeichnet man fachsprachlich als “immunologische fäkale Okkultbluttests”, abgekürzt iFOBT, manchmal auch als “fäkale immunchemische Tests”, abgekürzt FIT. Achtung: Nicht mit den immunologischen Tests zu verwechseln sind andere neue Methoden zur Untersuchung von Stuhlproben. Sie befinden sich noch in der Entwicklung und ersetzen die “klassische” Früherkennung bisher nicht, mehr dazu im vorletzten Abschnitt

Was bringt der Stuhltest? Hochwertige vergleichende Studien an großen Bevölkerungsgruppen haben ergeben: Wird der Test regelmäßig wiederholt, dann sinkt auf lange Sicht die Wahrscheinlichkeit, an Darmkrebs zu sterben. Diese Studien wurden zwar noch mit den älteren biochemischen Tests durchgeführt.

Fachleute gehen aber davon aus, dass die Ergebnisse auf die neueren immunologischen Tests übertragbar sind. Denn vergleichende Studien der beiden Testverfahren zeigen: Die immunologischen Stuhltests sind noch empfindlicher und genauer als die bisher genutzten Tests – sie zeigen Blut im Stuhl zuverlässiger an. Fachleute haben anhand der bisher veröffentlichten Studien Modellrechnungen durchgeführt, die den Nutzen der Untersuchung darstellen. Sie unterscheiden dabei zwischen Frauen und Männern, da ihr Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, unterschiedlich hoch ist. Die Schätzungen beziehen sich außerdem auf bestimmte Altersgruppen. Für Frauen gilt: Wenn 1.000 fünfzigjährige Frauen über zehn Jahre regelmäßig Stuhltests machen, dann haben 340 von ihnen irgendwann ein auffälliges Testergebnis. Sie werden zu einer Darmspiegelung eingeladen. Bei 223 von ihnen ist das Ergebnis der Darmspiegelung unauffällig. Sie müssen erst zehn Jahre später wieder eine Früherkennungsuntersuchung durchführen. Bei 114 Frauen finden die Ärzte dagegen Darmpolypen, von denen ein Teil als Krebsvorstufe gilt. Diese werden entfernt.

Wann die nächste Untersuchung stattfinden sollte, hängt von der Menge und Beschaffenheit der Polypen ab. Drei der Frauen erhalten die Diagnose Darmkrebs und müssen behandelt werden, mehr dazu im Text “Behandlungsmöglichkeiten bei Darmkrebs”. Bei zwei der 1.000 Frauen dagegen übersieht der Stuhltest bereits vorhandenen Krebs, dieser wird dann erst aufgrund von Beschwerden festgestellt. Insgesamt schätzen Fachleute: Machen 1.000 Frauen regelmäßig über zehn Jahre Stuhltests, wird von ihnen innerhalb dieser Zeitspanne bis zu eine Frau weniger an Darmkrebs sterben. Für Männer gilt: Wenn 1.000 Fünfzigjährige zehn Jahre lang regelmäßig Stuhltests machen, dann werden 340 von ihnen aufgrund eines auffälligen Ergebnisses zur Darmspiegelung eingeladen. Bei 180 von diesen Männern finden die Ärzte bei der Koloskopie nichts Auffälliges.

Sie müssen erst zehn Jahre später wieder eine Früherkennungsuntersuchung durchführen. Bei 155 Männern werden Darmpolypen entdeckt und entfernt. Von Menge und Beschaffenheit und damit dem Risiko dieser Polypen hängt ab, wann sie die nächste Untersuchung machen lassen sollten. Fünf der Männer erhalten die Diagnose Darmkrebs und müssen behandelt werden.

Bei zwei der Männer übersieht der Stuhltest Krebs, dieser wird dann erst später aufgrund von Beschwerden festgestellt. Insgesamt schätzen die Experten, dass innerhalb von zehn Jahren bis zu ein Mann weniger an Darmkrebs stirbt, wenn 1.000 Männer regelmäßig Stuhltests machen. Die hier genannten Zahlen stammen aus einem Abschlussbericht zur Entwicklung einer Entscheidungshilfe zum Darmkrebsscreening, den das Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) 2016 veröffentlicht hat.

www.krebsinformationsdienst.de

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